Flageolet

Was sind Flageolet (gesprochen: Fla-jo-lee, oder auch Obertöne genannt)? Jeder Ton ist eigentlich ein Klang (Zusammenspiel), der aus einem Grundton und verschiedenen "Obertönen" besteht. Das bedeutet, wenn z.B. die leere A-Saite angeschlagen wird, hören wir nicht nur die reine Schwingung von A (440Hz), sondern zusätzlich eine Vielzahl anderer (leiser) Schwingungen. Die verschiedenen Lautstärken von den Obertönen ermöglichen uns zu unterscheiden, was diesen Ton erzeugt hat (eine Gitarre, Flöte, Stimme, etc.).

Wie werden Obertöne erzeugt?

Berühre leicht (nicht drücken) eine Saite genau über den zwölften Bundstäbchen und schlage die Saite hart an. Sofort danach den Finger wegnehmen. Dies geht genauso über dem fünften und siebten Bundstäbchen.

Stimmen mit Flageolet

Zuerst sollte erwähnt werden, dass die Saiten von der Tonhöhe schon halbwegs richtig sein sollten. Entsprechend sollten Anfänger lieber die Methode auf der Seite "Saiten Stimmen" verwenden.

Bei den Flageolet-Tönen können wir eine Schwebung hören (entsteht bei der Überlagerung zweier gleich gerichteter Schwingungen mit nur geringen Unterschieden in der Frequenz). Jetzt brauch man nicht mehr den Ton zu vergleichen, sondern diese Schwebung beseitigen. Desto schneller die Frequenz, um so mehr ist die Saite verstimmt.

1) Stimmgabel anschlagen und Unterseite auf die Gitarrendecke oder den Saitenhalter drücken.

2) Die A-Saite anschlagen, und solange drehen, bis kein Unterschied mehr zu hören ist (Töne gleich sind).

3) Flageolet auf dem 5.Bund der E1-Saite spielen und mit einem Flageolett im 7.Bund auf der A-Saite vergleichen.

4) Flageolet auf dem 5.Bund der A-Saite spielen und mit einem Flageolett im 7.Bund auf der D-Saite vergleichen.

5) Flageolet auf dem 5.Bund der D-Saite spielen und mit einem Flageolett im 7.Bund auf der G-Saite vergleichen.

6) Flageolet auf dem 7.Bund der E1-Saite spielen und mit der leeren H-Saite vergleichen.

7) Flageolet auf dem 7.Bund der A-Saite spielen und mit der leeren E6-Saite vergleichen.

Vorteile: Etwas leichter zu hören (finde ich jedenfalls), und es entstehen nicht mehr so viele Übertragungsfehler. Und so oder so das überhaupt Wichtigste: Es sieht extrem professionell aus. :-P

PS: Was mein ich bloß mit dieser Schwebung? Sprecht "joing" und nun viele hintereinander "joingjoingjoing", jetzt gleichmäßig hintereinander, nun schnell und mal langsam (gedehnt). Genau das gleiche hört man beim Vergleich der beiden Saiten. Wird es sehr langsam, bzw. ist es nicht mehr zu hören, stimmen die Saiten.

Hinweis für alte Hasen

Die Gitarre will sich nicht mehr richtig stimmen lassen? Die hohen Lagen stimmen nicht richtig? Das Gehör entwickelt sich stetig weiter, und irgendwann hört man die Fehler der Gitarre. Die Mensur ist nicht perfekt, die Saiten sind zu alt, die ganze Gitarre ist eh nicht die "Beste", usw. Wenn dieser Punkt erreicht ist, muss dann doch mal eine qualitativ hochwertige Gitarre gekauft werden. Grobe preisliche Einteilung nach Qualitätstufe:

  • Anfänger: 100-400 EUR
  • Fortgeschrittene: 400-800 EUR
  • Qualitätsgitarren: 800-2.000 EUR
  • Meistergitarren: 1.500-20.000+ EUR