Gitarren-Check

Es schnarrt, scheppert und klirrt, ABER WO? Hier ein kleiner Gitarren-Check für Neue oder alte Krücken. Allerdings wird nicht auf die Klangfarbe eingegangen, denn dazu gehört schon wieder das Hören, welches mit Webseiten nicht zu vermitteln ist.

Saitenlage

So nennt sich der Abstand vom 12ten Bundstäbchen bis zu der (dicken) E1 Saite, und ist von Gitarre zu Gitarre unterschiedlich. Oft wird auch der Abstand von dem Bundstäbchen genommen, welches sich direkt am Hals-Korpus-Übergang der Gitarre befindet, wobei der Unterschied meist zu vernachlässigen ist.

Skizze Saitenlage
Es gibt leider keine festgelegten Richtlinien, im Normalfall liegt der Abstand bei ca. 2-3 mm, bei einer klassischen Konzertgitarre sogar bei 3-5 mm. Wenn der Abstand extrem weit oder gering sein sollte, ist dies schon ein Zeichen, dass irgendwas nicht stimmt.

Steg

Durch lange Nutzung vertiefen sich immer mehr die Kerben im Steg. Sollte die Saitenlage dadurch zu tief werden, fangen die Saiten an zu schnarren, bzw. berühren beim Schwingen andere Bundstäbchen.
Test: Jede Saite einmal im 3ten Bund drücken. Jede Saite sollte dabei zum Schallloch hin einen recht sichtbaren Abstand zu den anderen Bundstäbchen haben (am 4ten knapp ein Blatt Papier).
Lösung: Lässt sich kostengünstig und schnell selbst beheben, indem ein neuer Steg gekauft wird.

Sattel

Der Sattel hat das gleiche Problem wie der Steg, allerdings nicht so gewichtig, da die Saiten auf der anderen Seite der Finger kaum schwingen. Zu tiefe Kerben ändern allerdings die gesamte Saitenlage. Beim Austausch hier lieber den Gitarrenbauer machen lassen. (Aber bei 40+ EUR überlegt mans sich nochmal :-)

Bundstäbe

Durch langen Gebrauch nutzen diese sich ab (flach geschmirgelt, eingedrückt, Kerbe). In diesem Fall kommt es auch zum Schnarren beim nächsten Bund. Der Austausch der Bundstäbchen SOLLTE von einem Fachmann erledigt werden. Lohnt sich bei teuren Gitarren (ab 500 EUR).

Verbrauchte Bundstäbchen

Saitenhalter & Decke

Ist die Saitenlage nicht optimal, kann es z.B. wie oben am Steg liegen. Allerdings kann es auch der Saitenhalter sein, wenn sich die Decke durch die hohe Zugkraft der Saiten verzogen (eingebeult) hat. Dies sollte man allerdings mit dem bloßen Auge schon gut erkennen. Oder aber, der Saitenhalter hat sich von der Decke gelöst.
Lösungen: Bei einer verzogenen Decke kurzfristig höheren Steg und schon einmal nach einer neuen Gitarre Ausschau halten. Ein loser Saitenhalter kann evt. von einem Fachmann wieder befestigt werden.

Hals (Fingerbrett)

Im Normalfall ist der Hals nicht perfekt gerade, sondern beschreibt einen ganz leichten Bogen nach oben (vom 12ten Bund zum Kopf hin). Nach dem 12ten Bund gibt es noch eine leichte Schräge zum Schallloch hin.

  1. Von Hinten (etwas seitlich der Brücke) den Hals entlang peilen. Man sollte den leichten Bogen nach oben erkennen.
     
  2. Im 1.Bund und 12.Bund gleichzeitig drücken. Es sollte keine Saite ein Bundstäbchen berühren (extrem kleiner Abstand). In der Mitte natürlich ein leicht sichtbaren Abstand.

Gitarrenhals und Krümmung
Sollte der Hals zu gerade sein, schnarren die Saiten (häufig vom 4. bis 7. Bund). In dem Fall gibt es noch eine kleine Hoffnung: Auf zum Gitarrenbauer. Die haben eine spezielle Apparatur zum richten (Feuchtwarmes-Schraubzwingen-Dingsbums). Mit etwas Glück wird's noch mal. Ebenso kann es schon helfen, die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen (siehe "Pflege") und stärkere Saiten zu nutzen (z.B. "super high tension").

Sollte der Hals weit nach oben gebeugt sein, nun ja, solange man noch darauf spielen kann ... :-) Ebenso kann es hilfreich sein, weiche Saiten zu nutzen, und bei hoher Luftfeuchtigkeit diese zu senken.

Gitarren mit Stahlsaiten haben wegen der hohen Zugkraft einen Halsspannstab im Hals, mit diesem kann die Halskrümmung zu großen Teilen korrigiert werden. Lösungen auf Basis von Carbon können oft nicht eingestellt werden, Gitarrenbauer fragen.

Bundreinheit

Der zwölfte Bund muss genau in der Mitte von Steg und Sattel liegen, wobei vom 12ten Bund zum Steg ein bis vier Millimeter extra sein dürfen (Spannungsausgleich beim Drücken der Saiten). Ist das nicht der Fall, klingt die Gitarre immer ein wenig "schräg", und die Saiten lassen sich nicht richtig stimmen.
Test: Ausmessen. Oder Flageolett 12ter Bund und gleiche Saite 12ter Bund drücken, der Ton muss der Gleiche sein.
Lösung: Keine (Neue Gitarre, denn der Neukauf ist günstiger. Bei teuren Gitarren kann man meist davon ausgehen, dass so etwas nicht passiert).

Holz und Lackschäden

Besonders gerne trifft es die Kanten, einfach mit den Fingern entlangfahren. Alles andere Augen und Finger. Lackrisse sind noch nicht unbedingt gefährlich, Holzrisse dagegen sehr ernst. Sofort zum Gitarrenbauer damit!

Andere Geräusche

Was kann jetzt noch alles klappern und schnarren? Es könnten Teile/Kabel/Batteriefach/etc. eines evt. vorhandenen Abnehmersystems sein. Ein loses Holzstück im Korpus (Gitarreninneren). Die Mechanik am Kopf (einer der Knöpfe oder Wirbel). Oder oft ... die losen Enden der Saiten an dem Saitenhalter.

Reparatur lohnt wann?

Prinzipiell lohnt sich natürlich immer eine Reparatur, wenn man a) die Gitarre liebt, und b) sie einen guten Klang hat. Hier eine grobe Richtlinie (ohne Liebe und Klang), ausgehend vom Preis der Gitarre.
 

  • 0 - 150 : Neukauf
    Einmalig und nur vielleicht ein kleineres Problem reparieren lassen (z.B. neuer Sattel, Steg aufleimen, etc.).
     
  • 150 - 400 : Kleine Reparaturen
    Hier lohnt sich hin und wieder eine kleinere Reparatur, jedenfalls wenn diese in großen Abständen bleiben (Jahre).
     
  • 400 - 800 : Reparaturen jeder Art
    Die meisten Reparaturen scheinen nun auch endlich mehr Sinn zu machen, als ein Neukauf. Allerdings können auch hier die Kosten noch überhand nehmen.
     
  • 800+ : Keine Ahnung
    Was bei den "guten" Gitarren noch sinnvoll oder sinnfrei ist, kann ich leider nicht sagen, und pauschal wahrscheinlich so oder so niemand. Klar, die Kosten einer Reparatur sind immer im Rahmen, oft sinnvoll, aber ist es der Klang auch?